„An Weihnachten war alles noch Glück und Erwartung …“

„Candlelight-Gedenkfeier“ am Sonntag, 11. Dezember (3. Advent), 18 Uhr in der Johanniskirche Eibach

Eine Kerze schenkt Hoffnung. Foto: Rudi Ott

Birgit F. erinnert sich noch genau daran, wie es ihr damals ging, kurz vor Weihnachten. Zwei Tage nach dem Heiligen Abend hatte sie ihren Geburtstermin. Am 24.12. war die Welt noch in Ordnung, voller Spannung und Vorfreude. Am Tag nach Weihnachten hat das Herz ihres Kindes im Bauch aufgehört zu schlagen. Das liegt nun schon einige Zeit zurück. Die Wunde aber wird jedes Jahr um diese Zeit wieder neu aufgerissen. „Ich kann nicht anders: ich muss immer wieder daran denken! Auch daran, wie mein Emil jetzt wäre, ein Junge wie andere auch.“

Manchmal wird Birgit F. immer noch unerwartet überflutet von Trauer und Tränen. „Es sollte jetzt doch mal gut sein!“ – denkt sie dann. Und im gleichen Moment weiß sie, dass das nie so sein wird. Ein Kind zu verlieren, ist mit nichts zu vergleichen. Es bleibt eine Sehnsucht – besonders in emotional aufgeladenen Zeiten. „Es ist das ganze Jahr über immer wieder schwer für mich. Aber wenn die Adventszeit näher rückt, brauche ich andere, die mit mir vorsichtig umgehen.“

Für Birgit F. war es ein Schritt in heilsame Aktivität, als sie sich bereit erklärte, in einem Team mitzuarbeiten, das die „Candlelight-Gedenkfeier“ vorbereitet. Das, was sie da im Team der Seelsorgerinnen und Seelsorger äußert, hat besonderes Gewicht. Was sie empfindet, ist maßgeblich für die Gestaltung der Feier.

Die alte, romanische Kirche an der Eibacher Hauptstraße, bietet schon seit 20 Jahren verwaisten Eltern einen Ort im Advent, wo sie zusammenkommen. Dieses Jahr am Abend des 3. Adventssonntags ist es wieder soweit: Eltern, die ein Kind betrauern, treffen sich dort. Als die Gedenkfeier begonnen wurde vor vielen Jahren, war sie ebenfalls getragen von einer Selbsthilfegruppe und Klinikseelsorger*innen.

Familien, die ein Kind beerdigen mussten, suchen miteinander, was trägt. Sie finden sich hier zusammen in Trauer und Schmerz, aber auch in Erinnerung an Momente von Freude und Dankbarkeit für das, was war. Alles darf hier sein, in der alten Kirche am Weg.

Mütter, Väter und Geschwisterkinder können eine Kerze von zuhause mitbringen. Sie wird im Gottesdienst als Zeichen der Erinnerung, aber auch der Hoffnung angezündet. „Hilfe zur Selbsthilfe“ – auch das ist möglich an diesem Abend. Wer will, kann im Anschluss an die Feier bei einer Tasse Tee oder Punsch mit anderen ins Gespräch kommen. Gebäck und Getränke werden im Freien bereitstehen.

Termin: Sonntag, 11.12.2022, 18 Uhr, Johanneskirche Eibach, Eibacher Hauptstraße 59, 90451 Nürnberg

Text: Susanne Bammessel, Pfarrerin, Klinikseelsorge im Klinikum Nürnberg Süd

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